Rum kennt wenig internationale Regeln und Richtlinien, aber eine Regel ist fix: „Das Grundprodukt muss Zuckerrohr sein, in welcher Form auch immer“. Grundsätzlich lässt sich Rum in zwei Hauptkategorien unterteilen

  • Rum Traditional

  • Rhum Agricole

Oliver`s Exquisito 1990 Solera
Trois Rivieres VSOP

Die Geschichte des Zuckerrohrs

Am Anfang war das Zuckerrohr (Saccharum officinarum) und ohne Zuckerrohr gibt es bekanntlich keinen Rum. Es gehört zur Familie der Süßgräser. Der ostasiatische Raum gilt als Ursprungsort des Zuckerrohrs, die genaue Herkunft ist jedoch nicht bekannt. Bedingt durch den internationalen Handel gelangte die Pflanze im Laufe der Zeit über den Nahen Osten bis nach Europa. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war das Zuckerrohr die einzige Rohstoffquelle für Zucker. Zucker war demnach teuer und der reichen Oberschicht vorbehalten. Auf seiner zweiten Reise im Jahre 1493 brachte Christoph Kolumbus Zuckerrohstecklinge auf die Insel Hispaniola. Die Inseln der Karibik entwickelten sich durch die optimalen klimatischen Bedingungen zu den Hauptanbaugebieten des Zuckerrohrs. Es wurde im Anschluss weiter nach Kuba, Jamaika, Puerto Rico und Brasilien gebracht. Die Gier nach Zucker in Europa war so groß, dass die Kolonialherren eine Zuckerrohrplantage nach der anderen aus dem Boden stampften.

Hispaniola

Das wichtigste zum Zuckerrohr ist gesagt, widmen wir uns nun dem Rum.

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Rum aus Melasse

Rum wird größtenteils aus Melasse hergestellt. Die Melasse ist ein Nebenprodukt der Zuckerproduktion. Der Zuckeranteil in der Melasse ist immer noch so hoch, dass diese durch Zugabe von Wasser und Hefe fermentiert werden kann. Unterschieden wird zwischen der natürlichen und der kontrollierten Fermentierung. Hierbei kocht jede Destillerie ihr eigenes Süppchen. Bereits bei der Fermentation wird der Grundstein für den Geschmack des Rums gelegt. Ist der Prozess der Fermentierung abgeschlossen, kann mit der Destillation begonnen werden. Die ersten Schritte zum Genussmittel „Rum“ wären getan. Rum aus Melasse wird als Rum „Traditional“ oder „Industrial“ bezeichnet. Dieser kann dem englischen und dem spanischen Stil zugeordnet werden. Diese Zuordnung ergab sich aus der jeweiligen früheren Kolonialherrschaft. Heutzutage ist es nicht mehr möglich Rum nach dieser Einteilung zu klassifizieren.

Anders verhält es sich beim Rhum Agricole

Wiederum ist Zuckerrohr das Basisprodukt für den Rhum. Allerdings wird keine Melasse verwendet, sondern der frisch gepresste Zuckerrohrsaft. Rhum Agricole entsteht aus dem perfekten Zusammenspiel zwischen Produktion, Terroir und dem seit Generationen überlieferten Wissen.

Wann darf Rum als „Rhum Agricole“ bezeichnet werden

Das AOC Siegel (Appellation d’Origine Contrôlée), ist ein Schutzsiegel. Dieses wird nur unter Einhaltung bestimmter Auflagen vom Institut national de l’origine et de la qualité (INAO) vergeben. Ein Rhum Agricole der unter dem französischen AOC Siegel hergestellt wird, ist unter anderem der Trois Rivieres VSOP aus Martinique. Gemäß dem AOC Siegel, darf Rhum Agricole nicht nachgezuckert und nachgefärbt werden. Die Herstellung des Rhum muss auf traditionelle Weise erfolgen, usw.

Der Anteil von Rhum Agricole ist am Rum Markt verschwindend klein. Bereits das „h“ in Rhum verrät, dass es sich um Rhum Acricole handelt. Dieser wird dem französischen Stil zugeordnet. Hergestellt wird der Rhum Agricole vorwiegend in den französischen Übersee-Dèpartments, aber eben nicht nur.

Grundsätzlich gehören auch der Cachaça, das Nationalgetränk der Brasilianer und ebenso der Clairin aus Haiti, mit zur Familie der „Rhums Agricole“. Beide werden aus frisch gepressten Zuckerrohrsaft gebrannt.

Auch der Ron Zacapa aus Guatemala, wird aus Virgin Sugar Cane hergestellt, trägt aber nicht die Bezeichnung „Rhum“. Guatemala ist bekanntlich ein Staat in Zentralamerika und war eine spanische Kolonie. Dem Zacapa fehlt jedoch das AOC Siegel.

Die Geschichte des Rhum Agricole

Wie kam es dazu, Rum aus Zuckerrohrsaft herzustellen. Früher verkauften die französischen Kolonien ihren Zucker nach Europa. Mit dem Anbau der Zuckerrübe in Europa, brach dieser Markt völlig zusammen und vorbei war es mit dem Kolonialzucker aus Übersee. Die Europäer stellten fortan selbst Zucker aus Zuckerrüben her. Da den Destillerien nun ihr Grundprodukt Melasse fehlte, machten sie aus ihrer Not eine Tugend und begannen Rum aus Zuckerrohrsaft zu destillieren, es entstand der Rhum Agricole. Rhum aus Zuckerrohr ist wesentlich schwieriger zu destillieren als aus Melasse, da der frische Zuckerrohrsaft sehr zügig verarbeitet werden muss. In diesem komplexen Rhum sind alle fruchtigen Noten des Zuckerrohrs enthalten. Rhum Agricole bieten dem Genießer Terroir, das fehlt dem Melasse Rum.

„Terroir“

Eine exakte Übersetzung für den, aus dem französischen stammenden, Begriff „Terroir“, gibt es nicht. Er beschreibt in etwa das Zusammenspiel aus Temperatur, Niederschlag, Geländeform, Sonneneinstrahlung und einige weiteren Faktoren in einem bestimmten Anbaugebiet. All diese Faktoren wirken sich auf den Geschmack und die Qualität des Zuckerrohrs und somit auf das Endprodukt, den Rhum Agricole aus.